Das Leben und Ben – Pressetext

Autor: Wot Sefak // Sprecher: Dana Ramthun, CRF, Paula Deme // Recording: Zona 167 // Veröffentlichung: Zona 167

Das Leben und Ben

Fragmentarischer Jugendroman und Hörbuch-Experiment

Möglich, dass der Name Wot Sefak Wenigen geläufig ist. Möglich sogar, dass es sich dabei um ein Pseudonym handelt. Beim Erstlingswerk eben jenes Wot Sefak, “Das Leben und Ben” wird viel der Fantasie des Lesers – oder Zuhörers überlassen.

Fest steht: es handelt sich um eine Kindheits- und Jugenderzählung, die hauptsächlich im Zürich der Neunziger Jahre spielt. Erzählt wird die Geschichte von Ben, der mit seinen beiden besten Freunden Jasa und Edona seine Kindheit und Jugend in diversen Heimen, Wohngruppen und Pflegefamilien in Zürich und Umgebung durchlebt. Es ist die Geschichte eines Ungewollten, eines sogenannten «Problemfalls», der nirgendwo richtig hingehört. Ben muss bereits als sechsjähriger Knirps erfahren, dass er den Erwachsenen eher zur Last fällt und die kleinkarierte Schachtelhäuser-Schweiz auf einen wie ihn nun wirklich nicht gewartet hat. Er lernt früh, dass er sich nur auf sich selbst verlassen kann und entwickelt sich, gefangen in einem lieblosen System, das ihn stets nur verwalten und versorgen will, zuerst zu einem Problemkind und später zu einem schwer erziehbaren Jugendlichen, der erste Erfahrungen mit Liebe und Drogen macht und dann zunehmends in die Kriminalität abdriftet.

Seine einzigen wirklichen Bezugspersonen über die Jahre sind die erwähnten Freunde Jasa und Edona, welche sein Schicksal teilen, sowie sein Onkel Jan, der kriminelle Geschäfte in der Zürcher Unterwelt betreibt, aufgrund derer ihm ein Sorgerecht für den Jungen verwehrt bleibt.

Das klingt nun alles schrecklich traurig. Ist es aber nicht. Wot Sefaks geradliniger Stil, seine authentische Strassensprache und der Witz, der in den Dialogen und zwischen den Linien aufblitzt, wecken im Hörer eher das Gefühl, das einem hier ein Kumpel bei einem Bier eine spannende Anekdote erzählt. Dieser Eindruck wirkt durch den fragmentarischen Aufbau der Erzählung noch verstärkt. Die Geschichte wird nicht durchgehend erzählt sondern ist in episodische Kapitel unterteilt, die scheinbar wahllos zwischen Ben’s Kindheit und seiner Jugendzeit wechseln. Auch einer zeitlichen Linie wird nur widerwillig gefolgt. Leicht entsteht der Eindruck, dass Ben nach einer von starren Zwängen geprägten Jugend die Lust vergangen ist, sich an irgendwelche Regeln zu halten. Doch auch die autobiographischen Bezüge der Erzählung bleiben im Dunkeln. Und genau darin liegt der Reiz von “Das Leben und Ben” – es wirkt bisweilen fast schon schmerzhaft realistisch, lässt durch die anekdotische Form und die direkte Sprache aber den Zeigefinger in der Hosentasche und hält stattdessen, gerade bei den politisch unkorrekten Stellen, lakonisch und genussvoll den Mittelfinger in die Kamera. Die Geschichte eines Ungewollten, ja, aber auch die Geschichte eines Rebells, der sich niemals mit der Opferrolle zufrieden gibt.

Wot Sefak gibt “Das Leben und Ben” nun über das Künstlerkollektiv MEK ibimsky (Amazing July, Pat MC) als Hörbuch heraus. Der Autor spricht es auch selber. Durch die vielen Dialoge in den abgeschlossenen Einzelkapiteln ist es aber kein klassisches Hörbuch geworden – auch hier scheint wieder die Ablehnung vorgefertigter Regeln durch – sondern mehr eine Mischung aus Hörspiel, Podcast und Hörbuch. In weiteren Sprechrollen sind Kenny Dana, der St. Galler Rapper CRF sowie die Zürcher Bloggerin Paula Deme zu hören. Produziert wurde das Ganze von und bei Zona 167 Productions in St. Gallen.

“Das Leben und Ben” erscheint am 7.8.2020 über Zona 167 auf allen gängigen Hörbuchplattformen.

Die kompletten Einnahmen werden an die NUK gespendet – Weitere Infos diesbezüglich, folgen im Zeitraum der Veröffentlichung