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Von Joghurt des Todes

Na, ihr Pimmler..

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann ich mir mit Hilfe von Sinn und Zweckmässigkeit, einfach nicht erklären.
Joghurt zum Beispiel.
Richtig gelesen.
Da ich normalerweise für den Singlehaushalt einkaufe und dieses Milchprodukt nicht wirklich zu meiner Nahrungsmittelliste gehört, habe ich nie so richtig realisiert, wie abgrundtief böse diese Joghurtterroristen sind.
Aber von vorne.
Alles fing an mit einem Anruf.
Im Folgenden im ungefähren Wortlaut wiedergegeben:

Sie: „Kannst du mir 4 Joghurts mitbringen?“
Ich: „Klar. Welche Sorte?“
Sie: „Ist egal. Ich esse jede Sorte.“

Soweit so harmlos.
Habt ihr schon einmal in einem Supermarkt Joghurt gekauft?
Da stand ich nun.
Gefühlte 100 Meter lang und 30 Meter hoch – das Kühlregal des Grauens.
Da gibt’s Dutzende, ach was sag ich, Abermillionen von Herstellern für Joghurt.
Und jeder Produzent Zweihundertdrölfundsiebzig Sorten im Angebot.
Das ist denen aber noch nicht genug!
Die gibt’s in gross, klein, fettarm, mit Mikrobiotischen Zusätzen, aus Ziegenmilch und was weiss ich nicht allem weiteren.
..und ich könnte schwören, ich hab eins mit Fingerabdrucksensor gesehen.

4 mitbringen. Egal welches.

Nachdem ich eine gefühlte Stunde im Sog dieser Monstrosität von Regal gestanden war, hat mich eine ältere Dame, etwas forsch wieder zurück in die Realität geholt.
„Junger Mann, könnten sie mal zu Seite gehen?!“

Vielen Dank, alte Dame mit Violettem Haar.
Sie haben mich auch diesem Zwielicht gerettet.
Ohne sie wäre ich wohl jetzt noch vor diesem Kühlregal und würde leise weinend, in der Fötusstellung abnippeln.

Ich griff gerade aus und schnappte ohne hinzusehen 4 Becher.
An der Kasse angekommen, machte mich die Kassiererin darauf aufmerksam, dass es die von mir gewählten Joghurts im 6er-Aktionspack geben würde. Und ob ich nicht noch einmal zurückgehen möchte um meine umzutauschen.
Mehr als ein Kopfschütteln brachte ich nicht mehr zustande.
Ich bin überzeugt, diese Frau, mag sie noch so nett gewirkt haben, ist Teil der Joghurt-Mafia!

Ja, ich gebe zu, ich übertreibe.
Aber ich frage mich wirklich, wozu man diese Riesenauswahl braucht?
Und das nicht nur bei Joghurt, sondern bei allem.
Im Grunde tangiert mich das alles nur peripher.
Denn ich weiss meistens genau was ich kaufen möchte und stehe deshalb selten lange vor irgendwelchen Regalen rum und versuche zu analysieren, welches Produkt ich denn jetzt kaufen möchte.
Denn das macht keinen Sinn.

Ein normaler Mensch, kann vorübergehend um die 7 Dinge im Kurzzeitgedächtnis speichern.
Mit ein bisschen Übung bringen wir es auf 10.
Das ist als Vergleich, ungefähr eine Telefonnummer kurz merken ohne sie aufzuschreiben.

Kurze Erläuterung, was sich da in unserem Bewusstsein und Unterbewusstsein abspielen kann, wenn wir im Supermarkt vor den aufgereihten Lebensmitteln stehen.

Jedes Produkt hat..
..eine Marke.
..ein eigenes Erscheinungsbild.
..einen Preis.
..eine Packungsgrösse.
..eine Geschmacksrichtung.
..eine bestimmte Spezifizierungen wie light, Bio etc.
Das Alles erkennen wir bei den meisten Artikeln auf den ersten Blick.
6 Dinge pro Produkt.
Haben wir also nur schon 4 verschiedene Angebote, sind das im Schnitt 24 Punkte die wir registrieren und zu verarbeiten versuchen.
Das Problem ist deutlich oder?
Wir sind kognitiv nicht dazu in der Lage.
Plus sind es oft noch mehr als 4 Produkte zwischen denen wir wählen können.

Falls ihr also auch mal wieder im Supermarkt steht und euch nicht entscheiden könnt, was ihr kaufen sollt; macht die Augen zu und nehmt einfach etwas.
Ihr könnt nichts dafür, dass ihr euch nicht entscheiden könnt.
Unser Kurzzeitgedächtnis ist nicht dafür ausgelegt, zwischen 40 Marmeladensorten zu selektieren.

Kleine Info noch am Rande.
Affen können sich um die 4 bis 5 Dinge merken.
Diesbezüglich hat unsere Weiterentwicklung ein bisschen geschlampt.

Habe die Ehre.

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