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Gefühle stecken zwischen den Zeilen

Na, ihr Pimmler..
Was nützt dir ein Boot, wenn du auf offener See von einer herunterfallenden Kuh zerquetscht wirst?

Worauf ich hinaus will?
..keine Ahnung.

Können wir kurz darüber reden?
Es ist wie ein Dschungel manchmal.
Ich bin Tagträumer.

Diese Welt kann so kalt und grau sein.
Ich mache mir sie bunter.

Apple Pay.
Kontaktloses Bezahlen.
Ich kann nicht offen über meine Gefühle sprechen, aber ich kann Selfies.
Ich kann mit meinem Geldbeutel telefonieren, mit meiner Musiksammlung Nachrichten versenden und mit meinem Fotoapparat meine Agenda verwalten.
Das Leben in die eigene Hand nehmen war wohl nie zutreffender.

Manchmal muss man sein Leben aber auch mal zur Seite legen, um das Leben zu leben.

Wär dieser Satz nicht irgendwie doof, würde ich behaupten, das sei voll der philosophische Tiefseetaucher.
..ach, ich mach es trotzdem.

Das war voll der philosophische Tiefseetaucher.

Scharf wie Rasierklingen.
Meine Gedankengänge nicht.
Eher ein unvorhersehbarer Wolkenbruch.
Ein Unwetter biblischen Ausmasses, das nur hinter dem stahlblauen Himmel darauf wartet getriggert zu werden.

Warum sagt man eigentlich stahlblau?
Warum ist mein Kaffee schon ausgetrunken?
Und was macht denn der Hund da vorne?

Fragen über Fragen.
Zum Glück benötigen nicht alle eine Antwort.
..oder?

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(hier Beitragstitel einfügen)

Na, ihr Pimmler..

Die folgende Erzählung ist frei erfunden und ..nein ist sie nicht.

Was hast du denn da drinnen gemacht?
Warst du kacken?
Hast du dir einen runtergeholt?

Wenn sie länger als 30 Minuten im Bad verplempert, ist das nichts was man hinterfragt.
Wenn ich mal länger als 15 Minuten im Bad bin, werde ich gleich verhört.

Und auch wenn das alles zutreffen würde,
..in genau dieser Reihenfolge.
Mann darf sich doch au mal die Zeit im Bad vertreiben.

Kopfschüttelnd watschelt sie an mir vorbei ins Bad.
Sie trägt Boxer und einen Pulli von mir.
Nicht dass mich das stören würde.
Im Gegenteil.
..aber wehe wenn ich mal eins ihrer Höschen anziehen will, dann krieg ich wieder was zu hören.

Neulich hab ich einen Muffin geschenkt bekommen und natürlich war mein Plan, den auch zu essen.
Und wie immer, wenn ich was habe, kommt dieser Hundeblick und ich gebe ihr natürlich etwas davon ab.
..ich wurde gut erzogen.
Im Gegenzug sehe ich mir mit ihr manchmal irgendwelche Schnulzen an und muss darum kämpfen, dass sie das halbe Kilo Eiscreme nicht ganz alleine auffuttert.
Ich gebe zu, es geht nicht zwingend darum, dass ich auch meinen Anteil von dem Eis möchte, das ich gekauft habe.
Wenn sie nämlich merkt, dass sie alles wieder alleine verdrückt hat, fühlt sie sich fett und heult mein Shirt wieder mit ihrem Rotz voll..

Es mögen Alltagsgegebenheiten sein, aber ich betrachte diesen Beitrag als Parabel. Und ich hoffe ihr kommt alle auf die Moral und meine Absicht dahinter. 

Natürlich könnte ich euch die Message auch einfach direkt ins Gesicht schlagen. Aber dann wär der Artikel nur 2, 3 Sätze lang und ihr hättet keine handliche Klolektüre. 

Im Wald mit Bernd

Die dumpfe, lieblose Stimme durchbricht die idyllische Stille im Wald:
„Was macht es denn?“

Erschrocken seh ich mich um.
Nicht erschreckt wegen der falschen Verwendung von Personalpronomen …

Ja, ich bin eine grammatikalische Pfeife, aber mit Personalpronomen kenne ich mich aus.
Ich kenne sie alle!
Ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie.
Da macht mir keiner was vor!

… sondern weil der mich so ohne Vorankündigung von der Seite anquatscht.
Aber da ist weit und breit keiner.
Ob das eine späte Nebenwirkung des Psilocybin ist?
Dass sich das nach 10 Jahren erst bemerkbar macht?
Hätte ich wohl besser die Finger von diesen Pilzen gelassen, denke ich mir.

Mein Gedankengang wird erneut von dieser Stimme unterbrochen.
„Was hat es da in der Hand?“
„Wer ist denn da?“ rufe ich in den Wald.

Nichts.
Stille.

„Bernd.“
Meint die stumpfe Stimme.
„Bernd? Ich kenne keinen Bernd.“
Ich überlege kurz, ob ich wirklich keinen Bernd kenne.
Obwohl, wenn man im Wald angequatscht wird, bedeutet das ja auch nicht zwangsläufig, dass es auch jemand sein muss, den man kennt.
„Komm raus und zeig dich!“ ruf ich in die Richtung aus der die Stimme kam.

Nichts.
Stille.

„Das geht nicht.“
„Warum geht das nicht?“
„Ich kann mich nicht bewegen.“ ich meine einen leicht weinerlichen Unterton darin zu hören.
„Was heisst das, dass du dich nicht bewegen kannst? Hast du dich verletzt? Soll ich Hilfe rufen?“
Ich male mir aus, was hätte passiert sein können.
Ist er gestürzt und hat sich dabei ein Bein ausgerissen?
Wurde er von einem Bären angegriffen?
Hat der ihm ein Bein ausgerissen?
Oder wurde er von einem wilden Bienenschwarm durch den Wald gejagt?
Und können Bienen Beine ausreissen?
Eine einzelne wohl nicht, aber im Kollektiv?
„Nein ich brauch keine Hilfe. Mir geht’s eigentlich ganz gut soweit.“
„Kein ausgerissenes Bein?“
Erst nachdem das raus ist merke ich, dass meine Enttäuschung wohl nicht wirklich angebracht ist.
„Warum kommst du dann nicht vor und zeigst dich?“
„Ich steht doch schon vor dir.“
Jetzt reichts.
Ich gehe gerade aus um den Baum herum, um hinter diesen zu sehen.
Denn der Kerl steckt garantiert da hinten.
Ich hör doch wo die Stimme herkommt.
Dreimal renne ich um den Baum.
Da ist keiner.

„Bernd“, sag ich. „Ich stehe nicht auf dieses Versteckspiel. Ich gehe jetzt. Schönes Leben noch.“
„Warum geht es denn? Ich wollte doch nur ein bisschen reden. Hier kommt man so selten zum Reden.“

Ich überlege kurz.
Zeit hätte ich ja.
Ausser Pokémon suchen tu ich ja gerade nichts.
„Na schön. Lass uns bisschen quatschen. Aber nur unter einer Bedingung. Zeig dich!“

Nichts.
Stille.

„Aber es sieht mich doch. Ich bin das Baum an das es sich anlehnt. ..und kann es das lassen? Das ist mir zu intim.“

„Du bist ein Baum?“
„Ja. Eine Birke.“
„Und du heisst Bernd?“
„Ja.“

„Das muss einfach von den Pilzen kommen.“
„Welche Pilze? Ich habe keine Pilze.“
Ich erspare es mir, meiner Halluzination zu erörtern, dass sie eine Halluzination ist und nutze die Gelegenheit einfach um mich mit einem Baum zu unterhalten.
„Und was machst du hier so?“
„Och.. ich steh hier nur rum, zieh mir CO2 rein und sonne mich n bisschen.“
„Ok. Cool.“
Das spannende Leben eines Baumes.
„Und was macht es hier? Und was hat es da in der Hand?“
„Das heisst eigentlich du.“ belehre ich ihn wie mein ehemaliger Deutschlehrer das gerne mit mir tat.
„Du?“
„Ja, du.“
„Gut. Was macht es hier und was hat es du in der Hand?“
„Nein doch nicht so!“
„So habe ich doch gar nicht gesagt.“
„Ich meinte ja auch nicht so als Wort. ..ach vergiss es einfach.“
Und wieder fühle ich mich wie mein ehemaliger Deutschlehrer.
„Und was hat es jetzt du in der Hand?“ will Bernd weiterhin wissen.
Bernd ist übrigens ein komischer Name für einen Baum.
„Was hat es gegen Bernd?“
„Kannst du jetzt auch schon Gedanken lesen?!“
„Sieht so aus.“
„Weisst du was, das wird mir hier langsam zu dumm. Ich wollte doch nur im Wald ein paar Pokémon fangen. Und jetzt stehe ich hier und unterhalte mich mit einer Eiche.“
„Birke.“
„Na dann unterhalte ich mich eben mit einer Birke. Bernd, die Birke.“
„Was ist Poggemohn?“
„Das sind kleine Monster. Die sind hier überall irgendwo verteilt zum einfangen.“
„Kleine Monster? ..du meinst Ameisen?“
„Nein.“
„Wespen?“
„Nein.“
„Borkenkäfer?“
„Nein. Pokémon sind keine echten Tiere.“
„Hier gibt’s unechte Tiere?“
„Ja, Nein, nicht in Wirklichkeit unechte Tiere.“
„Es sammelt in Unwirklichkeit unechte Tiere?“
„Ja, so kann man das auch nennen.“

Bernd beginnt zu lachen.

„Warum lachst du denn jetzt? Weil ich dieses Spiel spiele? Das ist nur ein Spiel. ..dass ich mich mit einem Baum unterhalte finde ich ehrlich gesagt um einiges lächerlicher.“
„Warum? Mit einem Baum zu reden ist doch normal.“

Clutch

Und plötzlich brennt die Töle.

Während ich mich frage, wie es bei einem Chihuahua zur spontanen Selbstentzündung kommen kann, sehe ich im rechten Augenwinkel, wie meine 13 jährige ihr Handy aus ihrer Handtasche zieht.

Diese Monstrosität als Handtasche zu bezeichnen, gelinde ausgedrückt, zeugt auch eher von pathologischem Realitätsverlust.
Zu meiner Zeit, nannten wir sowas Sport- oder Reisetasche.
„Papa, du hast doch keine Ahnung.“ meinte sie, als ich sie ihr letzte Woche gekauft habe. „Das ist ein Hobo Bag.“
Ich habe an diesem denkwürdigen Tag sehr vieles von ihr und ihrer Kicherfreundin gelernt.
Im ernst, ich weiss ihren Namen nicht.
Aber egal was irgendwer in ihrer Umgebung sagt, sie kichert.
Sie haben mich darüber ins Bild gesetzt, dass es Buckle Bags, Baguette Taschen, Pochettes, Shopper, Tote Bags, Wrist Bags und Clutches gibt.
Man kann viel von Kindern lernen.
Auch viel unnützen Scheiss.

Der Hund, wenn man diese Hosentaschenguerillas so nennen möchte, brennt noch immer vor sich hin.
„Papa geh mal zur Seite! Ich muss ein Selfie machen!“
Ich drehe mich zu ihr: „warum?“
In der selben, schnippischen Tonlage in der sie reagiert, wenn man ihr sagt, sie soll ihr Zimmer aufräumen, meint sie: „Wenn du kein Foto hast, ist es nicht passiert!“

Wenn du kein Foto hast, ist es nicht passiert?
Eine plausible Erklärung.
Wenn es sich um einen Rechtsstreit handelt.
Sind wir wirklich in der Ära der Fotobeweise angelangt?

Mit Entsetzen schiesst mir gerade durch den Kopf, dass es den leckeren Fisch, den es gestern zum Abendessen gab, gar nicht gab!
Und auch mein Frühstück heute ist inexisten.
Aber warum habe ich keinen Hunger?
Ich muss jetzt etwas essbares kaufen.

„Magst du auch ein Brötchen?“ unterbreche ich die fotografische Arbeit meiner Kleinen.
Sie überlegt kurz.
„Ja. Ein kleines Vollkornbrötchen.“
Ich geh in die Bäckerei, vor der der Chihuahua Lagerfeuer spielt.

„Guten Tag, was hätten sie denn gerne?“
„Ein anderes Zeitalter.“
Leicht überfordert sieht mich die Backwarenverkäuferin an.
„Ich meinte, ob sie etwas kaufen möchten?“
„Ja.“
„Was darfs denn sein?“
„Ein kleines Vollkornbrötchen und ihr schönstes Laugenbrötchen.“
„Mein schönstes Laugenbrötchen?“
Die Verkäuferin sieht mich fragend an.
„Ich muss es fotografieren.“