Es brennt! (Kurzgeschichte)

Eigentlich wollte ich mit meiner Tochter rausfahren aus der Stadt.
Schön bisschen Waldspaziergang, auf einen Spielplatz, als die kleine angerannt kam und aufgebracht an meinem Hosenbein zerrte.
„Papa! Papa! Unser Auto brennt! Komm schnell! Das Auto!“
Sie hörte nicht auf zu zupfen.
Unnachgiebig festgekrallt mit ihren kleinen Fingern, zog sie mich durch den Flur, aus der Haustüre, auf die Strasse.
„Da! Es brennt!“

Entsetzt starrte sie auf das Feuer.
Ein riesen Tumult in der Strasse.
Rauchschwaden, Schreie und unverständliches Gebrüll.
Ein Hexenkessel direkt vor der Haustüre.
Ich beugte mich vor, nahm die Kleine auf den Arm und lief mit ihr zurück ins Haus.

Eine überforderte Fünfjährige sah mich fragen an.
„Warum brennt das Auto?“
„Wegen der Systemkritik.“
Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter, hielt kurz inne, hob den Kopf wieder und sah mich fragend an.
„Und warum hat der maskierte Mann auf der anderen Strassenseite, das Fenster der Apotheke eingeschlagen?“
„Das kommt darauf an.“
„Auf was kommt es an?“
„Wenn er es nur eingeschlagen hat, ist es allgemeine Systemkritik. Wenn er aber noch plündert, geht es um das Anprangern der sozialen Strukturen und den wirtschaftspolitischen Komplex, der die ungerechte Verteilung aller Dinge schürt.“

Man sah der Kleinen an, dass sie nachdachte.

„Aber Papa, das macht keinen Sinn..“
„Natürlich macht das keinen Sinn.“
Ich musste lachen.
„Was ist so lustig Papa?“
Verwirrt sah sie mich an.
„Sie sind ein Teil des Systems, welches ihnen nicht passt. Sie sind eines der Probleme des Systems, welches ihnen nicht passt. Sie sind auch nur ein weiterer Bremsklotz der Evolution, welche sie wohl gerne hätten.“

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