Na, ihr Pimmler..

Seit ich rausposaunt habe, dass ich an Asperger leide ..Moment. Leiden ist das falsche Wort.
Seit ich rausposaunt habe, dass ich Asperger habe, gab es einige «interessante» Momente.
Zum einen bekam ich voll viele Nachrichten, die überfüllt waren mit Empathiebezeugung.
Danke dafür.
Dann gab es auch noch ein paar Anfeindungen deswegen, aber die jucken mich nicht sonderlich.
Das wurde ich auch vorher schon ab und an.
Es ist quasi ein Eckpfeiler meines Lebens, dass Leute mich nicht mögen oder verstehen.
Und seit ich diesen Blog führe, kriege auch ich, kleiner, irrelevanter Blogger, meinen Anteil von den Internet-Mongos ab.
Gehört wohl dazu, schätze ich.

Abgesehen davon, was mein «Outing» bei verschiedenen Menschen getriggert hat, ist mir aufgefallen, dass viele Leute keinen Plan haben, worum es eigentlich geht.
..inklusive mir, manchmal.
Und das ist es, was ich heute ein wenig angehen möchte. Für alle da draussen, die keinen Plan haben und für mich selber.

Kurzer Einschub für die Allgemeinbildung:

Der Begriff «Autismus» kommt aus dem Griechischen und bedeutet «sehr auf sich bezogen sein».

Autistische Störungen können sich ganz unterschiedlich zeigen. Deshalb spricht man auch von ASS. Autismus-Spektrum-Störungen. Sprich; es gibt verschieden Arten und diese unterscheiden sich teils massiv voneinander. Und selbst wenn zwei dieselbe Form von Autismus haben, kann es da noch auffallende Unterschiede geben.
Die Ursachen sind bis heute nicht komplett geklärt. Sicher ist aber, dass es angeboren ist und nicht durch Erziehung oder Konflikte während des Aufwachsens kommt.
..so. wisst ihr bescheid.

Jetzt ist wohl auch jedem klar, dass ich nicht direkt für andere sprechen kann, sondern nur für mich.
Was es für mich bedeutet und wie ich damit umgehe.
Und euch so, das hoffe ich zumindest, für den Umgang mit Autisten etwas sensibilisieren kann.
..wer weiss.

Ich hab die letzten Wochen so einiges mit meiner Therapietante analysiert.
..nein, ich meine Therapietante nicht despektierlich. Ich mag sie. Aber ich nenn sie halt gerne so.

Ich habe mich echt gut durch mein bisheriges Leben «geschummelt».

Gerade was soziale Kontakte angeht, habe ich mir wohl viele Dinge antrainiert, die ich mir bei anderen abgekuckt habe.

Der Klassiker: man kuckt andern in die Augen, wenn man mit ihnen redet.
Habe ich lange nicht gemacht. Das fiel auch auf.
Mir wurde das oft gesagt, dass ich das nicht mache. Und es wurde als unhöflich empfunden.
Dann fing ich halt an, den anderen in die Augen zu schauen, wenn sie mit mir redeten.
..manchmal kucke ich aber auch nur auf die Nase. Merkt aber keiner.
Das mache ich nun schon so lange, dass es zu einem Automatismus geworden ist.
..Automatismus für Autismus. Schenkelklopfer!
Zumindest fast.
Manchmal gibt es noch Situationen, in denen ich es nicht mache.

Soziale Gepflogenheiten im Allgemeinen, sind eine ziemlich komplizierte Sache.

Weil ich sie mir nicht beim Heranwachsen automatisch angeeignet habe, wie das bei den meisten wohl der Fall ist.

Begrüssungen.
..unter uns, das ist das nervigste überhaupt. Warum macht man sowas?

Es ist einfach für mich, wenn ich Menschen treffe, zu denen ich einen Bezug habe.
Ich weiss dann, dass ich Hallo sagen, gegebenenfalls die Hand schüttle, kurz umarme oder Küsschen gebe.
..läuft wie geschmiert.
Wenn ich aber andere Menschen treffe, fängt bei mir das Problem schon da an, dass ich grundsätzlich kein Interesse verspüre zu grüssen oder mich zu verabschieden.
..nochmal; warum macht man sowas?
Von alleine kommt mir das einfach nicht in den Sinn.
Ist irrelevant für mich.

Klar weiss ich, dass man Menschen begrüsst, je nach Kontext. Gepflogenheiten.
Das mach ich dann auch.
Im Arbeitsalltag. Kunden, Partner zum Beispiel, werden gegrüsst.
Das hab ich raus.
Wenn mich jemand grüsst, grüsse ich zurück.
Klingt für die meisten wohl selbstverständlich.
..schön für euch.
Musste ich mir alles antrainieren.
Erfolgsquote?
80%.
..gefühlt.

Die Hauptprobleme treten im Privatleben auf.

Das weiss ich oft nicht, ob und wie ich Menschen begrüssen oder verabschieden soll oder eher muss.
Nicht bei Menschen die ich regelmässig treffe. Vor allem bei Leuten, die ich noch nie oder nicht so oft getroffen habe.
Da ergeben sich wohl leicht unangenehme Situationen.
Also nicht für mich.
Wohl aber für die anderen.
Das bekam ich zumindest schon ab und an gesagt.

Dann gibt es da noch Menschen, die ich nicht mag.
Menschen aber, die irgendwie zu dem Umfeld gehören, in dem ich mich bewege und die einem immer mal wieder über den Weg laufen.
Allem Anschein nach grüsst man diese Menschen eben auch dann, wenn man sie gar nicht mag.
Das macht noch weniger Sinn. Denn ich mag die ja nicht. Also grüsse ich sie auch nicht.
Es sei denn, sie stellen sich mir genau vor die Fresse und sagen Hallo. Dann kann es vorkommen, dass ich auch Hallo sage.

Ihr merkt vielleicht, es ist kompliziert und ich weiss auch nicht, wie ich das genau formulieren kann, dass man versteht, was ich eigentlich mitteilen möchte.

Viele Menschen geben mir Feedback.

Da ist von «du bist immer so schüchtern», «du bist so übertrieben introvertiert» bis zu «arrogantes Arschloch» alles dabei.

Ja, ich «traue» mich in gewissen Situationen wirklich nicht. Weil ich nicht weiss, was ich jetzt genau machen muss. Es hat weniger mit schüchtern im Sinne von ich traue mich nicht zu tun. Eher mit keinen Plan haben und dann da stehen wie so ein Pflock.
Ja, ich bin introvertiert. Sehr introvertiert.
Heute weiss ich auch warum.
..ich bin Autist.
Bei mir ist es so, dass mir pausenlos Dinge durch den Kopf schwirren. Ich sehe Dinge, höre Dinge, rieche Dinge, schmecke Dinge und das alles triggert mich in irgendeiner Form. Und damit beschäftige ich mich dann halt.
Was manchmal echt extreme Ausmasse annehmen kann.
Meistens merke ich aber, dass es mal langsam reichen könnte und ich habe Strategien, mit denen ich mit da wieder «rausholen» kann.
..klappt nicht immer, aber sehr oft.
Da ich das nicht anders kenne, ist das für mich normal.
..ist es aber wohl nicht wirklich.
Dafür kann ich mich voll lange und gut auch auf produktive Dinge konzentrieren.
Was, wie ich schon oft gemerkt habe, voll viele nicht so gut können.
Ich lerne auch verhältnismässig sehr schnell.
Was, wie ich schon oft gemerkt habe, voll viele nicht so gut können.
Pluspunkt für mich, würde ich sagen.
Minus: manchmal kann ich mich auf etwas auch gar nicht konzentrieren. So richtig nicht.

Zurück zum sozialen Umgang.

Mein alltägliches Strategiespiel.

Manchmal läuft alles wie geschmiert und ich versprühe meinen Charme.
Und manchmal flieg ich schneller aus dem Spiel, als ich überhaupt nachkomme.

Ich lebe in meiner eigenen kleinen Welt. Da ist es ganz angenehm für mich.
Öfter habe ich andern schon von dieser erzählt.
Die sagen mir dann meistens, dass sie auch so etwas haben.
Finde ich gut und ich dachte auch lange, dass wir vom selben reden.
Heut weiss ich aber, wenn ich von meiner kleinen Welt rede und sage, dass jemand in dieser stattfindet, bedeutet das, dass er überhaupt stattfindet. Ausserhalb von ihr, ist ein Mensch für mich inexistent.
Also es gibt ihn schon, das weiss ich. Aber er tangiert mich in meinem Leben nicht.
Mit inexistent meine ich, ich denke nicht von mir aus an die Person.
Ich habe dieses «ich könnte mich mal wieder melden und fragen wie es so läuft?» oder «ich sollte mich mal wieder mit ihm/ihr treffen» nicht.
Das kommt mir nicht in den Sinn.
Ausser halt du bist einer der sehr, sehr wenigen Menschen, die in meine kleine Welt reingelassen wurden.

Das macht mich wohl zu einem sehr schlechten Bekannten. Denn ich melde mich nie.
Oder höchst selten.
Meistens nur dann, wenn ich durch irgendwas an die Person erinnert werde.
..aber auch das bedeutet eigentlich nicht, dass ich mich dann melde.
Also wenn ich mich dann von mir aus melde, kann das gut sein, dass ihr mir in irgendeiner Form wichtig seid.
Wenn ich euch besuche, mich mit euch treffe, euch schreibe oder anrufe, dann kann man das wohl so gedeutet werden, dass ich euch mag.

Ich habe schon viel mehr geschrieben als ich eigentlich wollte.
Es gibt noch viel mehr Dinge, die bei mir wohl anders sind, aber ich habe grad keine Lust mehr weiterzuschreiben.

Wenn euch das interessiert, lasst es mich wissen und ich mache vielleicht einen weitern Beitrag zum Thema.

Bis dahin,
vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Haut rein!

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