#30 Fick die Welt

Ich sitze auf der Bettkante, Janina liegt hinter mir auf meinem Bett. Sie krault mir den Rücken. Wir haben uns an Jasas Geburtstag kennengelernt. Der war letzten Samstag. Wir haben eine Kneipentour gemacht. Ich habe sie da in einer Bar kennengelernt. Sie wartete vor den Toiletten und ich habe sie irgendwie überredet, dass sie sich uns mit ihren Freundinnen anschliesst. Wir haben uns vorgestern nach Feierabend noch mal allein getroffen und heute ist sie mit zu mir gekommen. Ich drehe gerade einen Blunt, als plötzlich Sven, ohne anzuklopfen in mein Zimmer reinplatzt. Janina zieht sich erschrocken die Bettdecke über ihren nackten Oberkörper. «Alter, kannst du nicht anklopfen?!» keif ich ihn an. Sven senkt den Blick zu Boden. «Ich.. entschuldige.. ich wusste nicht, dass du Besuch hast … du weisst aber schon, dass wir unter der Woche keinen Besuch mehr hier haben dürfen nach 20.00 Uhr, oder?» stottert er vor sich hin. «Ach, verpiss dich doch einfach.» «Kannst du die Musik leiser stellen? Ich versuche drüben zu lernen.» er zeigt mit seinem Finger gegen die Wand, die an sein Zimmer grenzt. Sein Blick geht immer noch in Richtung Boden. «Ja, meinetwegen.» Ich lege den Blunt auf meinen Nachttisch, stehe auf, gehe zu meiner Stereoanlage im Regal und drehe den Regler zurück. «So besser?» frage ich ihn etwas angepisst. Er blickt kurz hoch, nur um dann gleich wieder wegzuschauen. «Ja. Danke.» Sven dreht sich ab und geht wieder aus dem Zimmer. Beim Rausgehen erinnert er mich nochmal daran, dass ich keinen Besuch mehr haben darf um diese Uhrzeit. «Verschwinde einfach und lass mich in Ruhe, ja.» Ich sehe zu Janina rüber. Sie zieht die Bettdecke wieder weg, lehnt sich aus dem Bett und nimmt ihr Shirt vom Boden hoch. Während sie sich das Shirt überzieht, fragt sie mich: «Springst du immer so um mit dem armen Kerl?» Ich sehe sie fragend an. «Armer Kerl? … das ist kein armer Kerl. Das ist Sven … und ich würde ja gerne normal mit ihm reden, aber er nervt mich dauernd mit irgendwas, nörgelt nur rum und verpetzt mich dauernd bei unserer WG-Betreuerin … der Holzkopf..» Janina grinst. «Ok.. wie du meinst … heizen wir jetzt den Blunt oder soll ich lieber gehen. Ich will ja nicht, dass du wegen mir ärger bekommst.» «Klar gehen wir den jetzt rauchen … das andere regelt sich schon … aber ich geh vorher noch kurz auf die Toilette.»

Ich gehe raus auf den Flur. Auf der Höhe von Svens Zimmer bleibe ich kurz stehen und klopfe. Kurz darauf öffnet sie sich und Sven steht im Türrahmen. «Hey, du weisst wie das läuft. Du hälst einfach die Klappe und es gibt keinen Ärger, ja.» Sven nickt und schliess seine Türe wieder. Ich schlendere weiter zum Klo. Andrea sitzt im Wohnbereich auf der Couch und sieht fern. Sie winkt mir zu. «Hey Bennilein, ist das deine neue Freundin?» Sie grinst mich so komisch an. «Keine Ahnung wovon du redest.» Ich gehe einfach weiter. «Na, von dem Mädchen in deinem Zimmer … Hey! Ben!»

Den Rest höre ich nicht mehr, weil ich im Bad verschwinde.

Auf dem Rückweg muss ich wieder bei Andrea vorbei. «Hey Ben. Du weisst schon, dass wir um diese Zeit keinen Besuch mehr haben dürfen?» tadelnd erhebt sie ihren Zeigefinger. «Jetzt fang du nicht auch noch damit an … Lasst mich doch einfach mal in Ruhe…» genervt gehe ich in mein Zimmer zurück.

Als ich die Türe öffne, sehe ich wie Janina vor meinem offenen Schrank steht. «Was genau machst du denn da an meinem Schrank?» Janina zuckt erschrocken zusammen. «Man, musst du mich so erschrecken? … Ich habe nur einen Pulli gesucht. Mir ist etwas kalt … und wenn wir ja gleich raus gehen… Sorry.» «Ach, schon ok. Nimm dir einfach einen.» Ich stelle mich hinter sie, halte mit einer Hand ihre Hüfte, streife mit der anderen ihre Haare zur Seite und gebe ihr einen Kuss auf den Nacken. Sie kichert leise, greift nach einem Pullover und zieht ihn raus. «Oh.. Hast du kein Bankkonto?» Sie dreht sich um und streckt mir ein Geldbündel hin. «Äh.. doch, schon.» Ich nehme ihr das Geld ab und stecke es zurück hinter die Pullover im Schrank. «Warum hast du soviel Geld in deinem Schrank?» Will Janina wissen. Ich zögere kurz. «Das … ist von einem Nebenjob.» Sie sieht mich etwas skeptisch an. «Nebenjob, huh?» Ich nicke etwas zögerlich. Sie starrt mich an. Sie denkt wohl nach. Sie erwacht kurz darauf wieder aus ihrer Starre, streckt sich an mir hoch und flüstert mir ins Ohr: «Böser, böser Junge…». Sie küsst meinen Hals, stellt sich wieder aufrecht hin und schlüpft in meinen Pullover. «Sollen wir jetzt raus gehen? … und vielleicht erzählst du mir dann ja bisschen von deinem Nebenjob.» sie nimmt meine Hand und grinst mich an. «Ja, ok. Lass uns einen Spaziergang machen.»

Ein paar Minuten später sind wir am Käferberg, spazieren ein Stück dem Waldrand entlang und setzen uns hin. Ich kram den Blunt aus meinem Rucksack und steck ihn an. „Und? Erzählst du mir jetzt, was das genau für ein Nebenjob ist?“ Ich nehm einen weiteren Zug und denke kurz nach. Ich reiche ihr den Blunt und steh auf. „Siehst du das da unten?“ Ich schwenke meinen Arm über die Stadt, die unter uns liegt. Ich dreh meinen Kopf zu ihr. Sie sieht mich an und nickt. „Das … ist eine riesige Küche … und ich bin ein kleiner Zulieferer für Gewürze, die so gebraucht werden.“ Ich lache. „Eine Küche?“ Sie grinst. „Jap.“ „Und du bist der Gewürzlieferant?“ „Jap.“ „Na dann, Herr Lieferant..“ Sie steht lachend auf, legt einen Arm um mich und hält mir den Blunt wieder hin. „Und … warum machst du das?“ will sie von mir wissen. Ich nehmen eine tiefen Zug und atme langsam den Rauch wieder aus. „Wegen … weil ich es kann.“ „Weil du es kannst?“ „Jap.“ Ein kurzer Moment Stille. „Aber … ist das nicht gefährlich? Ich mein … ein grosser Teil der Welt findet das wohl nicht sooo übertrieben toll … sollte ich mir Sorgen machen um dich?“ „Nö.. ich komm schon klar und so nebenbei, fick die Welt!“ „Fick die Welt?“ „Jap. Fick die Welt.“ Ich strecke meinen Arm, zeige der Stadt einen Mittelfinger, drehe mich zu Janina und Küsse sie.