Mein Name ist eigentlich nicht Chris, sondern Sven Rupikki Grognarson.
Ich kam auch nicht im Kinderspital Zürich, sondern neben einem Schweinestall in Riksgränsen, Schweden zur Welt.

Neben einem Schweinestall, weil meine Mutter zu der Zeit Euro-Jobberin in einer Köttbullar-Fabrik und mein Vater Wikinger und auf Reisen, nicht das Geld hatten, um sich im Stall einzumieten.

Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück.
Mir fehlte es eigentlich an nichts.
Ich hatte viele Freunde gefunden in den Schweinchen nebenan und es gab immer genug Fleischbällchen.

Weil der Staat die Subventionen für Brandschatzer strich, liess sich mein Vater als ich 5 Jahre alt war, zum Versicherungsvertreter umschulen.
Und wir wollten in die Schweiz umziehen.
Weil wir bei der Durchfahrt die Schweiz nicht bemerkten, lebten wir erst noch 3 Jahre in Italien.
Dort machte ich eine Ausbildung zum Pizzabäcker.
Bis heute ging meine Liebe zu diesem Teigfladengebäck nicht verloren.

Im Alter von 8 Jahren fand mein Vater, als er in Mailand auf der Strasse Haftpflichtversicherungen verkaufen wollte, ein Strassenschild, dass den Weg in Richtung Schweiz anzeigte.
Er kam nachhause und wir verliessen noch in derselben Nacht das Land in Richtung Schweiz.
Hätten wir in Zürich nicht tanken müssen, wären wir wohl wieder durch dieses Land, ohne es zu merken.

In der Schweiz angekommen, verkaufte mein Vater weiterhin Versicherungen auf der Strasse und meine Mutter suchte vergeblich eine Köttbullar-Fabrikb.

An meinem 12. Geburtstag wurde ich vom Staat zwangs-eingeschult.
Das war zwar Ende November und daher etwas spät, doch das störte mich nicht.
Monatlich schloss ich eine Primarstufe ab und im Mai des Folgejahres, übersprang ich die Sekundarstufen und stand kurz vor meinem Schulabschluss.
Da das alles ziemlich schnell ging und ich im Eifer des Gefechts vergessen hatte, mir einen Ausbildungsplatz zu suchen, entschied ich mich dazu, aufs Gymnasium zu gehen.

Da fand ich es nicht so toll, weil meine Mitschüler alle älter als ich waren.
Diese Zeit kam mir ewig vor.
Vielleicht lag dieses Empfinden aber auch eher am latenten Akohol- und Cannabiskonsum.

Weil die Gymnasiumszeit eines Tages zu Ende war, ich aber mit prokrastinieren noch nicht fertig, hatte ich wieder eine Schulstufe abgeschlossen, ohne mich darum kümmern zu können, mir einen Ausbildungsplatz zu sichern.
Da ich wieder einmal relativ verloren da stand, schrieb ich mich an der Uni ein.

Mein Vater und meine Mutter waren schon etwas enttäuscht von mir.
Nicht weil ich neben der Schule mein Taschengeld mit Escort-Jobs aufbesserte.
Obwohl, das ist gelogen.
Ich bekam gar kein Taschengeld.
Denn meine Eltern waren sehr, sehr arm.
Enttäuscht waren meine Eltern, weil ich nichts Richtiges lernte sondern nur ein Studium anfing.

Nachdem ich mein Wirtschaftsstudium mit 17 Jahren abgeschlossen hatte, habe ich mit Entsetzen festgestellt, dass mich Wirtschaft eigentlich gar nicht interessiert.
Deshalb habe ich in einer Frittenbude angeheuert.
Leider verstarb der Besitzer ein halbes Jahr später, weil er an eine Fritte erstickte.
Ich übernahm seine Imbissbude und verkaufte von da an die Köttbullar meiner Mutter.

Nach ein paar Monaten sah ich mich gezwungen Konkurs anzumelden.
Die Konkurrenz war einfach zu gross.
Eine Schwedische Möbelfirma, deren Name ich nicht erwähnen möchte – reimt sich auf IKEA – verdrängte mich vollends aus dem Fleischbällchenbusiness.
Ich war komplett am Ende.
Finanziell und emotional ruiniert.

Ich wanderte ein halbes Jahr durch Indien, um wieder zu mir selber zu finden.
Mit grossem Erfolg.
Ich fand dort vieles.
Unter anderem mich, Hepatitis B und meine Laktoseintoleranz.

In meinem 18. Lebensjahr, nach meiner Rückkehr, schrieb ich mich noch einmal an der Uni ein, um ein Medizinstudium anzufangen.
Dort lernte ich meine heutige Frau kennen und lieben.
Ein Jahr später erblickte unsere Tochter das Licht der Welt.
Das war ein bisschen stressig.
Nicht unbedingt die Geburt an sich, sondern die Einschulung.
Erklären sie der Schulleitung einmal, wie sie es geschafft haben eine 7 jährige zu gebären.

Heute wohne ich mit Frau und Tochter in einem Aussenquartier in London. Mein Medizinstudium habe ich längst abgeschlossen und arbeite als Taxifahrer.
Dass meine Frau unter der Zwangsprostitution leidet, kann ich so nicht bestätigen.
Im Allgemeinen habe ich in meinem Leben nur selten gegen irgendwelche Gesetzte verstossen und sass auch nie länger als 3 Tage im Gefängnis.

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