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«Acid?»
Sie nickt. «Acid.»
«Also … du meinst, das ist LSD?»
«Jap.»
«Ich weiss nicht Lea … Ich meine … ich habe noch nie LSD genommen.»
«Komm schon Ben. Bist du ein Schisser? Traust du dich etwa nicht?», fragt Lea, während sie mir mit diesem klitzekleinen Glasfläschchen vor meinem Gesicht rumfuchtelt.

Lea existiert in meiner Welt erst seit ein paar Stunden. Haben uns im Tap Tab, vor einem Konzert kennengelernt. Jemand den ich kenne, kennt jemanden der jemanden kennt, der sie kennt. Wie das halt manchmal so läuft.
Was soll ich gross dazu sagen, sie war mir halt sympathisch. Und ich habe sie mehr oder weniger pausenlos mit allem möglichen aufgezogen.
Unklar ob es an meinem Assi-Charme, dem Alkoholpegel oder an meinem soliden Grasvorrat, den ich mithatte, lag, aber sie wich mir nicht mehr von der Seite. Gutmöglich, dass auch die Mischung aus allem, seinen Teil dazu beigetragen hat.
Weil das Konzert fertig und der Afterparty DJ echt kacke war, wollte ich mich verdrücken.
Und eventuell auch weil ein paar Typen vor Ort irgendwie nicht so bock hatten auf unsere Anwesenheit. Keine Ahnung, was wir wieder angestellt hatten…
Ausgemacht war, dass wir alle bei einem Kumpel übernachten, der in dieser Stadt wohnte.
Da wollte ich dann auch eigentlich hin, aber Lea hielt mich auf.
Sie überredete mich dazu, mit ihr nachhause zu gehen.
Denn sie hätte da einen Balkon und Wein und so…
Warum nicht? Sie ist cool, teilt meine Vorliebe für Blunts und … vor wem rechtfertige ich mich hier eigentlich?

Und jetzt sitzen wir hier auf dem Balkon. Beziehungsweise ich. Sie ist in der Wohnung verschwunden mit den Worten: «Fühl dich frei, bin gleich wieder da.»
Erst mal Einen bauen. Aus der Wohnung höre ich Geklirre, als würde sie gerade mit Kaffeetassen Boccia spielen. Ein dumpfes «Fuck!» ertönt.
«Kann ich dir irgendwie helfen?» Was eigentlich eher eine rhetorische Frage ist. Denn ich hab gerade nicht wirklich Lust aufzustehen und bei irgendwas behilflich zu sein.
«Nein ist schon gut. Ich habs!»
Lea kommt zurück mit einer Flasche Wein, 2 Gläsern und Kerzen. «Damit wir bisschen Licht haben.» Sie zündet die Kerzen an und hält mir die Weinflasche hin. «Kannst du das machen?»
Ich nicke.

Nach dem Anstossen und dem ersten Schluck, fängt Lea an neben ihrem Stuhl in ihrer Tasche zu kramen und kippt fast um.
Ein Schluck von Wein, ein Zug vom Gras, ich schau dem kleinen Tollpatsch zu und bin irgendwie grad voll zufrieden mit meinem Leben.
«Da ist es ja.» Mit einem breiten Grinsen zieht sie ein kleines Glasfläschchen aus der Tasche und stellt es auf den Tisch. «Na, wie wärs? Lust auf einen Ausflug?»
«Einen Ausflug? … was ist denn das da?»
Sie beisst sich leicht auf ihre Unterlippen und sieht mich mit so einem freudig, aufgeregten Blick an. «Das ist Acid.»

«Acid?»
Sie nickt. «Acid.»
«Also … du meinst, das ist LSD?»
«Jap.»
«Ich weiss nicht Lea … Ich meine … ich habe noch nie LSD genommen.»
«Komm schon Ben. Bist du ein Schisser? Traust du dich etwa nicht?», fragt Lea, während sie mir mit diesem klitzekleinen Glasfläschchen vor meinem Gesicht rumfuchtelt.

Mein juveniles Ego, lässt sich nicht unterstellen, dass es sich nicht traut. NIEMALS!
Und schon gar nicht von einem Mädel. «Pff… nicht trauen … ich habe doch nur gesagt, dass ich das noch nie genommen habe. Zeig mal her.» Ich nehme das Fläschchen und schau es mir von näherem an. Als könnte man darin mehr erkennen als einfach nur ein Glasfläschchen mit einer Flüssigkeit darin. «Na gut. Lass es uns durchziehen.» sag ich und drehe den Verschluss ab.
Mal unter uns, ich bin scheisse aufgeregt. Nicht dieses, ich freue mich auf den Urlaub aufgeregt. Dieses scheisse nochmal, der Flieger wird abstürzen! Pinguine … Pinguine … Pinguine aufgeregt.
«Warte mal kurz.» Lea lacht und nimmt mir die Flasche aus der Hand. «Wir trinken das lieber nicht direkt aus der Flasche, du Vogel.»
Sie steht auf und streckt mir ihre Hand hin. «Komm. Lass uns reingehen.»
Ich nehme ihre Hand und ihr hinterher ins Wohnzimmer.
Auf dem Weg schnappt sie sich eine Küchenrolle und zieht mich weiter in Richtung Sofa.
Dort angekommen reisst sie ein Blatt von der Rolle und legt es auf den Tisch.
«Ich hab leider kein Löschpapier» sagt sie, während sie eine kleine Ecke von dem Blatt abreisst und es ein Mal faltet.
«Hör mal… ich bin mir echt nicht so ganz sicher, ob das wirklich eine gute Idee ist Lea.»
Sie dreht sich zu mir, fährt mir mit ihrer Hand langsam über die Brust und fängt an meinen Hals zu küssen. «Ist nichts dabei Babe … du wirst sehen … das … wird der beste … allerbeste … Trip … deines … Lebens.»

Bin ich neugierig?
Ja.
Bin ich gerade ziemlich spitz?
Zur Hölle Ja!

«Los! Komm schon!» Lea dreht sich wieder zum Tisch, öffnet das Fläschchen, gibt 2 Tropfen auf das Küchenpapier und legt sich das Zeug in den Mund.
«Und jetzt du.» Sie wiederholt das Prozedere. «Mund auf.»
Ich gehorche.
«Schmeckt leicht komisch, dieser Papierfetzen im Mund.»
«Schluck es doch einfach runter. Ist ok.» sagt schmiegt sich unter meinen Arm.
Ich lass mich langsam zurück in Richtung Rückenlehne gleiten.

Ein paar Minuten, die wir mir Rummachen verbringen, muss ich abrupt unterbrechen. «Woah … hey warte mal ganz kurz.»
Ich setze mich aufrecht hin und seh mir meine Arme an. «Komisch. Die sind ja noch da.» fällt mir gerade auf. «Aber ich spüre die gar nicht.»
Lea fährt mit ihrer Hand langsam über meinen Arm. «Du spürst sie echt nicht mehr?»
«Nein. Obwohl … eigentlich spüre ich nur meine Unterarme nicht. Den Rest schon. Also auch die Hände … spürt man seine Unterarme normalerweise überhaupt?» Ich spüre, wie meine Atmung immer langsamer und tiefer wird. Ich denke gerade darüber nach, dass wenn die so weitermacht, höre ich an irgendeinem Punkt wohl einfach auf zu atmen. Ich muss lachen.
«Warum lachst du?» will sie wissen.
«Na weil ich irgendwann in den nächsten 5 Minuten aufhöre zu atmen. Einfach so.»
«Das findest du lustig?» fragt sie mich entsetzt.
«Nein eigentlich nicht … warte mal … das kann nicht sein, dass man einen Atemstillstand bekommt von LSD oder? … ich meine … die Hippies haben das ja auch überlebt. Glaube ich.»
Wir schweigen.
Lea setzt sich an die Kante des Sofas, steht langsam auf und geht zu ihrer Stereoanlage. «Weisst du was mir einfällt, wenn ich an Hippies denke?» fragt sie, während sie ein CD einschiebt. Ich schüttle den Kopf. «Nope.» Aus den Boxen erklingt Butterfly von Crazy Town. «Ich mag den Song», sag ich und beginne leise mitzusingen. Lea stellt sich vor mich. «An freie Liebe muss ich dann immer denken.» Sie beugt sich vor, drückt mich zurück in die Couch und setzt sich auf mich.

Ich erspare dir den Teil mit wessen Hände gerade wo, bei wem, wie, was machen.
Es sei denn, du stehst auf den Kram. Sag Bescheid, dann reiche ich den Teil vielleicht noch nach.
Jedenfalls läuft Butterfly im Hintergrund im Loop während wir das gemacht habe, was ich dir hier eben gerade nicht genauer erläutere. Und dann irgendwann…

Lea unterbricht schlagartig die laufende Bewegung «Hey … äääh … siehst du die komische Katze da auch?».
Ich versuche gerade darauf klarzukommen, dass eine jäh eingeleitet Pause entstand. Ich war gerade so verloren im Beobachten der komischen, aber wunderschön glitzernden Schweissperlen auf ihrem Rücken. «Was seh ich auch?»
«Na die komische Katze da an der Balkontüre. Was grinst die denn so behindert?»
«Komische Katze? Da ist keine Kat… oh … meinst du dieses hässliche … was zu Teufel ist das für ein Ding? … Vielleicht sollten wir die Türe schliessen, dass es nicht reinkommt?» Ich spüre dieses Kribbeln ums Zwerchfell rum, als wäre ich gerade auf einer Achterbahn in der Talfahrt. Eine gewisse Angst macht sich breit.
«Gute Idee. Aber ich will ehrlich gesagt nicht in die Nähe von dieser komischen Katze.» auch ihre Stimme klingt etwas ängstlich.
In einem seltsamen Anfall von Möchtegern-Heroik, laufe ich langsam zur dieser Balkontüre um mich diesem Biest und vor allem meinen Ängsten zu stellen.
«Hey … ähm … du … was auch immer du bist … ich tu dir nichts ja … bleib einfach da wo du bist und wir kommen alle heil aus der Sache raus.»
«Jetzt mach doch endlich die Türe zu!» ruft es hinter mir.
Vorsichtig greif ich nach der Tür, nur um sie dann mit einem Knall zuzuschmettern. «Ha! Ausgesperrt!»
«Danke.» «Bitte.» Wir schauen uns einen Moment an.
Oder wohl eher sie starrt mich an und ich sie. «Du hast echt ziemlich grosse Augen.»
«Und du hast echt ziemlich kleine.» entgegnet sie mir.
Das Licht in dem Zimmer sieht aus wie flüssiges Silber. Fiel mir vorher gar nicht auf. Und der eine rote Punkt an ihrer Anlage wird immer grösser, je länger man ihn ansieht. Langsam laufe ich auf ihn zu.
Lea schleicht sich von hinten an mich ran und packt mich. «Hey! Wo willst du denn hin? Hast du etwa das Interesse verloren?»
Sie hat mir gerade den Schreck des Abends verpasst. Ich dachte kurz, dass das ding vom Balkon jetzt doch irgendwie reinkam und mich jetzt attackiert.
Aber alles gut. Es ist Lea, sag ich mir und atme ein paar Mal tief durch. Ich kann den Geruch nicht genau zuordnen, aber sie riecht so verdammt gut.
Ich dreh mich in ihrer Umarmung um und blicke ihr in die Augen, heb sie hoch und trag sie zum Sofa zurück. «Ich? Niemals!»

Draussen wird es langsam immer heller. Sie ist mittlerweile auf dem Sofa eingeschlafen. Bei aller Liebe für den Song, aber ich schalte jetzt die Stereoanlage aus und geh noch eine rauchen, bevor ich mich wieder zu ihr lege. Aber zuerst brauche ich Wasser oder sonst irgendwas zu Trinken. Meine Kehle ist völlig ausgetrocknet und auch die Haut an meinem ganzen Körper fühlt sich beengend an. Flüssigkeit. Schnell! Im Kühlschrank finde ich eine Flasche mit Mineralwasser.
Gefühlt eine halbe Minute später, ist es nur noch eine Flasche.
Ich torkle zurück zum Wohnzimmer, in Richtung Balkon.
Beim Öffnen der Balkontüre schaue ich auf den Boden und muss lachen.
«Böse Katze!» keif ich und greife nach ihrer Tasche, lege sie im Wohnzimmer auf einen Stuhl, gehe wieder raus und geniesse meine Zigarette im Sonnenaufgang.

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