#36 Kommen 2 Polizisten zu einer Bar

Ich starre auf meinen rechten Unterarm. Ich spüre, wie eine warme Flüssigkeit an ihm runter rinnt. In meiner Armbeuge saugt sich mein Pullover voll mit Blut. Die Wunde brennt ein wenig. Ich drücke mit meiner Hand dagegen. Mika steht mit ihren Händen vorm Gesicht, wie versteinert neben mir.

„Mika?“ Sie reagiert nicht. „Mika!“ Ihr Blick wandert langsam von meinem Arm weg und sie sieht mich entsetz an. „Du blutest Ben!“ meint sie. Bevor ich etwas sagen kann, kommt eine Frau aus einer Bar in der Nähe angerannt. „Ich habe die Polizei gerufen. Geht es euch gut?“ Sie schaut abwechselnd mich und Mika an. „Warum haben sie das getan?“ will ich von ihr wissen. Sie sieht mich leicht verdutzt an. „Ich.. da war dieser Typ.. ich hab gesehen, wie der auf dich losgegangen ist.. da dachte ich, ich ruf besser die Polizei.“ In diesem Moment fährt auch schon ein Polizeiauto an. Zwei Polizisten steigen aus und kommen auf uns zu. „Haben sie uns gerufen?“ fragt der eine. Er hat seine Frage kaum beendet, legt Mika auch schon los. „Helfen sie ihm! Er ist verletzt!“ befiehlt sie ihm und zeigt auf mich. „Immer mit der Ruhe.“ Er nickt seinem Kollegen zu. „was ist denn passiert?“ Mika erzählt ihm von dem Typen, der uns abziehen wollte, dass ich mich gewehrt habe und dieser plötzlich ein Messer aus der Jackentasche zog und uns bedrohte. Ich hätte ihm gesagt, dass er sich verpissen soll und dann ging er auf mich los. Ich hätte uns nur verteidigt gegen diesen Mistkerl, erklärt sie ihm.

Während sie dem einen Polizisten Rapport abliefert, sieht sich der andere meinen Arm an und erklärt mir, dass er jetzt einen Notarzt aufruft. Er gibt mir einen Klopfer auf die Schulter, wendet sich ab und geht zu ihrem Wagen. „Wie hat der Mann denn ausgesehen?“ will der Polizist von uns wissen. Mika beginnt ihn zu beschreiben. Ich entscheide mich dazu, meinen Pullover auszuziehen um mir die Wunde mal genauer anzusehen. Hätte ich besser sein gelassen. Ich seh die Schnittstelle in meiner Armbeuge. Sie scheint ziemlich gross. „Fuck!“ Der Polizist, Mika und die Bardame drehen ihre Köpfe zu mir. Mika blickt auf meinen blutverschmierten Unterarm und kommt sofort zu mir. „Oh mein Gott! Ben! Du musst sofort ins Krankenhaus!“ schreit sie fast schon hysterisch. „Alles gut Mika.“ Ich versuche ihren Blick weg von meinem Arm zu kriegen. Endlich sieht sie mir in die Augen. „Der Notarzt ist schon unterwegs.“ Der zweite Polizist kommt vom Wagen zurück. Er hält mir ein Stück Gaze hin und meint, ich soll damit die Wunde abdrücken. Ich presse das Ding in meine Armbeuge und setze mich hin. „Ben? Was ist los?“ fragt Mika besorgt. Sie kniet sich neben mich und nimmt mich in den Arm. „Mir ist kalt und etwas schwindelig.. aber geht schon.“ Die Bardame sieht uns an, dreht sich dann ab und rennt zurück in die Bar.

„Könnt ihr euch ausweisen? Wir bräuchten die Angaben noch für unseren Bericht und die Anzeige.“ „Welche Anzeige?“ will ich von ihm wissen. Er sieht mich fragend an. „Na, du willst denn Kerl doch sicher anzeigen. Immerhin hat er dich angegriffen und verletzt.“ „Natürlich wollen wir das!“ keift Mika. Ich schaue sie an, zieh die Schultern hoch und schüttle den Kopf. Mir fehlt gerade die Energie für Diskussionen. Ich kram mein Portemonnaie aus der Hosentasche, zieh meinen Ausweis raus und halte ihn dem Polizisten hin. Mika wühlt noch in ihrer Handtasche rum, da kommt die Barkeeperin zurück mit einer Decke und einer Cola in der Hand. „Hier. Trink was. Zucker hilft.“ Sie hält mir mit einem leicht verkrampften Lächeln die Coke hin. „Dankeschön.“ Während ich einen Schluck aus der Glasflasche nehme, legt sie mir die Decke über die Schultern. Inzwischen hat der Polizist seine Notizen gemacht und gibt uns unsere Ausweise wieder, da fährt auch schon ein Notarztwagen an. Eine Frau steigt aus, holt eine Tasche aus dem Kofferraum und kommt auf uns zu. Sie grüsst alle beim Vorbeigehen, bleibt vor mir stehen und geht in die Knie. „Hallo. Ich schätze du bist der Patient?“ Fragt sie ruhig und mit einem freundlichen Gesichtsausdruck. Ich nicke und zeig ihr meinen Arm. „Oh.. das müssen wir wohl nähen. Ich reinige das erst mal und mache einen Verband. Dann bringe ich dich in den Notfall, ok? … kannst du aufstehen und mit mir zum Wagen gehen?“ Ich nicke, stehe langsam auf, nehme die Decke von meinen Schultern und halte sie der Frau aus der Bar hin. „Danke nochmal..“ sie nimmt die Decke und nickt mir lächelnd zu. Zusammen mit der Ärztin und Mika gehe ich zum Auto rüber. Sie öffnet die Beifahrertüre und stellt den Sitz zurück. „Setz dich hier hin.“ Ich setze mich in den Wagen. Während sie Verbandsachen aus ihrer Tasche holt fragt sie mich. „Wie heisst du denn eigentlich?“ „Ben.“ „Ok Ben. Das brennt gleich ein bisschen.“ Sie spült die Wunde mit einer bräunlichen Flüssigkeit aus. Sie blickt kurz zu Mika, die aussen an der offenen Türe steht und die Wundversorgung beobachtet „Und du bist seine Freundin?“ Mika zögert kurz. „Nein.. wir gehen zusammen in die Berufsschule … das.. heute ist unser erstes Date.“